Geologie - Entstehungsgeschichte im Überblick

Die Landschaftsbilder des Naturparks, so wie wir sie heute erleben und durchwandern können, haben sich über einen riesigen Zeitraum entwickelt.

Wer ahnt schon, dass die Gesteine in dieser Region bereits im Erdaltertum (Paläozoikum) und im Erdmittelalter (Mesozoikum) entstanden sind? Vor unvorstellbar langer Zeit, vor ca. 260 bis 205 Mio. Jahren wurden die Gesteinsfolgen des Buntsandsteins, des Muschelkalks und des Keupers abgelagert.

Wo sich heute die Hochflächen des Eichsfelds ausdehnen, lag vor 260 Mio. Jahren eine flache Senke, in der Gips und Tonsteine des Zechsteins in einem trocken-heißen Klima abgelagert wurden.

Den Übergang zum Buntsandstein vor 250 Mio. Jahren bilden Ton- und Sandsteine. Zu dieser Zeit befand sich Mitteleuropa näher zum Äquator und es herrschte subtropisches Klima. Starkregen ließen Seen entstehen und Flüsse lagerten von südlichen Gebirgen Abtragungsschutt in unsrer Region ab. Spuren dieser Flusssyteme findet man überall im mittleren Buntsandstein in Form von Schrägschichtungen (z.B. die Klippen von Reinhausen bei Göttingen).

Im oberen Buntsandstein wurde die wüstenähnliche Landschaft von Meerwasser überflutet. In dem so entstandenen Flachmeer bildeten sich Gipse und Tonsteine, die wir heute noch finden. Das Meer wurde durch fortschreitende Überflutung tiefer und das vorherrschende Klima gewann immer mehr an tropischem Charakter. Die kalkigen Gesteine des Muschelkalkes sind Zeugen eines warmen Flachmeeres (Wassertiefe 10 bis 30 m) mit wechselhafter Geschichte: Nach einer langen Meeresperiode verdunstete das Wasser, das wieder nachströmte. Belebt war dieses Meer u.a. von Muscheln, Schnecken, Krebsen, Nesseltieren (Trochiten) und „Tintenfischen“ (Ceratiten).Die Ablagerungen des Keupers belegen einen Wandel hin zu einem wechselwarmen, feuchten Klima. In dieser Zeit verschob sich die Küstenlinie von Süden nach Norden. Es wurden überwiegend Sand- und Tonsteine, seltener auch Kalksteine, abgelagert.

Im Naturpark ist der Buntsandstein von mächtigen Schichten des Muschelkalks überlagert. Sie sind der „Baustein“ der Plateau-Berge und Hügelländer entlang der Werra. Versteinerungen urzeitlicher Tiere begegnen dem Wanderer auf Tritt und Schritt. Auf dem Grund der tief eingeschnittenen Tälern tritt der Buntsandstein zutage. Die Buntsandsteinschicht steigt von Südost nach Nordwest langsam auf und erreicht am Hanstein, in der Nordwestlichsten Ecke des Naturparks, dann sogar die obersten Höhenlagen. Der Übergang zwischen Buntsandstein und Muschelkalk ist daher der Austrittsort zahlreicher Quellen.

Mit dem Quartär vor 2 Mio. Jahren setzt die Zeit ein, die unsere aktuelle Landschaft prägte: Die Gletscher der Eiszeit brachten große Mengen an Geröll und Sand mit. Durch starke Winde wurde Löss (feiner Sand) angeweht. Das häufig zwischen extremer Kälte und nahezu subtropischer Wärme wechselnde Klima führte zu starker Erosion. Flüsse bahnten sich ihren Weg durch die Gesteinsschichten, Hänge rutschten als Fließerde ab, Schotterterrassen wurden abgelagert. Die heutige Oberfläche bildete sich aus.