Lebensräume

Der Buchenwald

Naturnahe Buchenmischwälder bedecken fast die Hälfte der gesamten Naturparkfläche. Neben der Rotbuche sind weitere Baumarten, wie Bergahorn, Kirsche, Elsbeere, Stieleiche und andere, anzutreffen. An den steilen Hängen des Eichsfeldes wächst die sonst seltene Eibe häufig. Urwaldähnliche Buchenwälder wie im Nationalpark Hainich sind inzwischen sehr selten zu finden.
Im Frühling, wenn die Sonnenstrahlen durch das noch unbelaubte Kronendach bis auf den Boden fallen, verwandeln sich die Buchenwälder im Naturpark in ein Blütenmeer: Märzenbecher und später Buschwindröschen, Leberblümchen und schließlich Bärlauch und Himmelschlüssel erblühen zu Tausenden.

Frühjahrsblüher
Frühjahrsblüher

Die Rotbuche war zu Zeiten der Römer, als noch 3/4 Deutschlands mit Wald bedeckt war, die vorherrschende Baumart. Durch Abholzung und Aufforstung mit schnell wachsenden Nadelhölzern sind die einst ausgedehnten Buchenwälder heute zu mehr oder weniger großen Inseln geschrumpft.

Der Frühling im Buchenwald ist etwas Besonderes, Botaniker des vorigen Jahrhunderts bezeichneten den deutschen Frühlingswald als die schönste und auch bunteste Pflanzengesellschaft überhaupt. Die vielen Frühlingsblüher nutzen die sonnendurchflutete Zeit vor dem Blattaustrieb der Buchen, um zu wachsen, zu blühen und zu fruchten. Sobald sich das Blätterdach über Ihnen geschlossen hat, ist die Farbenpracht vorbei. Dafür stellt sich die besondere, fast ehrfürchtige Stimmung im Hallen-Buchenwald ein. Typische Frühlingsblüher sind Anemonen, Leberblümchen, Lerchensporn und Märzenbecher. Hier im Naturpark kann man sich jedes Jahr im Frühjahr an vielen Stellen verzaubern lassen.
Naturnahe Buchenwälder, so urwald-ähnlich wie im Hainich, sind sehr selten und zählen zu den im weltweiten vergleich am meisten bedrohten Lebensräumen unseres Kontinents.

Trocken- und Magerrasen

Im Mosaik der offenen Landschaften des Naturparks gehören die Trocken- und Magerrasen zu den botanisch wertvollsten Bestandteilen. Sie sind an felsigen, sonnenexponierten und daher trockenen Steilhängen ausgebildet. Nur ein kleiner Teil der Trocken- und Magerrasen in Thüringen ist ursprünglich. Die meisten Flächen sind eine Folge der intensiven Schafbeweidung der vergangenen Jahrhunderte.
Neben so schönen und interessanten Arten, wie Silberdistel, Kuhschelle und Enzian, finden hier viele Orchideen ihren Lebensraum.
Viele Pflanzenarten der Magerrasen sind sehr licht- und wärmebedürftig. Als Verteidigung gegen die Beweidung haben sie zahlreiche Schutzstrategien – wie die Dornen bei den Disteln oder den bitteren Geschmack des Enzians – entwickelt. Charakteristisch sind die dornigen Wacholdersträucher.

Silberdistel
Silberdistel

Kalksinterbach – ein Naturphänomen der besonderen Art

Der Naturpark wird von einem dichten Netz kleiner Bäche durchzogen. Sie haben ihren Ursprung in mächtigen Kalksteinschichten. Eine Besonderheit ist der Kalksinterbach. Seine Quellen sind so kalkreich, dass es beim Austritt des Wassers zur Kalkausfällung kommt, die auch als Kalksinterung bezeichnet wird. Schwerlösliches Calciumcarbonat lagert sich in der Nähe des Quellbereichs auf Steinen, Blättern und Holzbestandteilen ab. Spezielle Moose wie das Starknervmoos bauen durch „biogene Entkalkung“ richtige Kalkbarrieren auf. Solche Sinterablagerungen sind auch im Naturpark zu bewundern, z.B. am Wasserfall bei Großbartloff. Als geologische Besonderheit sind Kalksinterbäche zugleich Lebensräume für zahlreiche seltene Tierarten. Hier entwickeln sich die Larven von Feuersalamandern und spezialisierten Wasserinsekten, z. B. die der Gestreiften Quelljungfer, eine der größten Libellenarten Mitteleuropas.

Der besondere Lebensraum: Totholz

Unordnung im Wald? Jahrhundertelang galten Wälder hauptsächlich als nützliche Holzlieferanten. Absterbende und tote Bäume hatten im Wald nichts zu suchen. Inzwischen ist erkannt worden, dass dieses Totholz eine große Bedeutung für den ökologischen Kreislauf unserer Wälder hat. Deshalb wird Totholz immer mehr als natürlicher Bestandteil des Waldes akzeptiert.
Der langsame Prozess des Absterbens bietet unterschiedliche Lebensräume und Nischen für zahlreiche Lebewesen. Das tote Holz ist Nahrungsgrundlage und Brutplatz für verschiedene Tiere, Pflanzen und Pilze. Noch stehende, geschwächte Bäume bieten ideale Wohnplätze für Spechte. Verlassen diese ihre Höhlen, so finden sich Nachfolger, wie Tauben, Marder oder Schläfer, ein.
Unterdessen beginnen Pilze, den Stamm mit einem feinen Geflecht zu durchziehen. Käferlarven durchbohren das Holz, deren Fraßgänge Einstiegslöcher für viele Holzzersetzer bieten. Ein ganzes Heer von Bakterien, Milben, Würmern, Raupen, Käfern, Bienen, aber auch größeren Wirbeltieren nagt und raspelt das Holz zu feinen Spänen. Mit Hilfe von Kleinstlebewesen zerfallen diese Späne allmählich in ihre Bestandteile. Die weiche Humusmasse schließlich ist idealer Nährboden für junge Pflanzen. Sie hält den Boden feucht und luftig, speichert Nährstoffe und wirkt der Erosion entgegen.
Viele vom Aussterben bedrohte Arten sind auf den Lebensraum Totholz angewiesen. Am Totholz hier im Naturpark kann man unter anderem den Hirschkäfer, den Kleinen Buchenbockkäfer oder den Zimmermannsbock beobachten.